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Alfred Schütz: Gemeinsam Musizieren
Wer miteinander musiziert, teilt keine Begriffe, sondern einen Zeitfluss — und wird darin zum Wir. Schütz nennt das ein wechselseitiges Sich-Einstimmen und hält diese Schicht für die Grundlage jeder Verständigung, auch der sprachlichen. Sie gilt für das Duo wie fürs Orchester, ja selbst zwischen Komponist:in und Publikum. Mit der Größe wächst allerdings der Vermittlungsaufwand: Partitur,…
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Simon Rattle, in einer Dokumentation
Er erzählt, ein Lehrer habe ihm einmal ein Versprechen abverlangt: niemals anzukommen. Dabei lächelt er in die Kamera, und man lächelt mit. Für alles, was nach der Berufsphase kommt, ist das der richtige Satz. Mein Satz. „Simon Rattle — Vom Glück des Dirigierens“, Hessischer Rundfunk, 13. September 2026.
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Foucault
Das Wichtigste, was ich mitgenommen habe, ist keine Theorie, sondern eine Haltung zur Wissenschaft, zu ihrem System und ihrem Betrieb: Staunen und Lachen. Das Lachen, mit dem Die Ordnung der Dinge anhebt, beim Blick in eine unmögliche Enzyklopädie bei Borges: Mit einem Schlag wird fremd, was eben noch selbstverständlich war. Und dazu die Überzeugung, dass…
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Psychoanalyse
Sie steht am Anfang: Die Dissertation handelte davon, wie therapeutisches Wissen die Selbstverhältnisse formt. Was mich heute daran interessiert, ist aber nicht die Couch. Lernfähige Algorithmen ordnen inzwischen Informationsbestände, ohne Begriffe oder Theorien zu benötigen — ein wirkmächtiges Netz, das dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich ist. Ein technisches Unbewusstes, zu dem wir uns verhalten wie…
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Vom Sinn der Müdigkeiten
Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out gelten als Symptome einer Leistungsgesellschaft: permanente Selbstoptimierung, entgrenzte Arbeit, der Druck, immerzu produktiv zu sein. Das ist die vertraute Diagnose — sie beschreibt den Befund, erklärt aber noch nicht, warum wir dafür nur ein einziges Wort haben. Deshalb der Plural. Es gibt die satte Müdigkeit nach getaner Arbeit und die lähmende, die…
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Transzendenz der Technologie
Eine Umkehrung, die mich nicht loslässt: Während der Glaube immanent wird — Sinnsuche, Selbstsorge, Gemeinschaft im Diesseits —, laden sich Technologien mit Transzendenzverweisen auf. Erlösungsversprechen, Unsterblichkeitsphantasien, Vertrauen in Systeme, die niemand mehr durchschaut. Religion lässt sich dabei als Kulturtechnologie lesen: als das Verfahren, mitten in der Immanenz über Unverfügbares zu verhandeln. Genau das leisten inzwischen…