Psychoanalyse

Sie steht am Anfang: Die Dissertation handelte davon, wie therapeutisches Wissen die Selbstverhältnisse formt. Was mich heute daran interessiert, ist aber nicht die Couch. Lernfähige Algorithmen ordnen inzwischen Informationsbestände, ohne Begriffe oder Theorien zu benötigen — ein wirkmächtiges Netz, das dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich ist. Ein technisches Unbewusstes, zu dem wir uns verhalten wie Freuds armes Ich zum Pferd. Taugt die Psychoanalyse hier als Gegenwissenschaft? Sie ist selbst Teil dieser Gesellschaft, also weder erhaben über das Unbewusstwerden noch davor gefeit, verstrickt zu werden. Genau deshalb ist sie ein guter Fall.

Digitale Technologien, ihr Unbewusstes, ihre Gesellschaft: Psychoanalyse als Gegenwissenschaft? In: Frick/Hamburger/Maasen (Hg.): Psychoanalyse in technischer Gesellschaft. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019, S. 191–202.