Vom Sinn der Müdigkeiten

Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out gelten als Symptome einer Leistungsgesellschaft: permanente Selbstoptimierung, entgrenzte Arbeit, der Druck, immerzu produktiv zu sein. Das ist die vertraute Diagnose — sie beschreibt den Befund, erklärt aber noch nicht, warum wir dafür nur ein einziges Wort haben. Deshalb der Plural. Es gibt die satte Müdigkeit nach getaner Arbeit und die lähmende, die durch keinen Schlaf vergeht; dazwischen liegt eine Kulturgeschichte, von der Literatur und Kunst mehr wissen als die Soziologie. Und dann die Frage, die mich am meisten beschäftigt: Wovon genau ist der Wissenschaftsbetrieb müde — und wovor schützt ihn womöglich seine Müdigkeit?

Dazu: „Vom gesellschaftlichen Sinn der Müdigkeit(en)“, in: Figurationen 14 (2013), H. 1, S. 35–54.