Fundstücke
Unregelmäßig, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Fundstücke
Was nicht in die Rubriken passt — und doch dazugehört.
Fundstücke
Was nicht in die Rubriken passt. Unregelmäßig, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Manches gehört längst zum Portfolio: die Müdigkeiten, die Transzendenz der Technologie, die Psychoanalyse. Anderes steht hier, weil ich hoffe, ihm erst noch zu begegnen.
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Alfred Schütz: Gemeinsam Musizieren
Wer miteinander musiziert, teilt keine Begriffe, sondern einen Zeitfluss — und wird darin zum Wir. Schütz nennt das ein wechselseitiges Sich-Einstimmen und hält diese Schicht für die Grundlage jeder Verständigung, auch der sprachlichen. Sie gilt für das Duo wie fürs Orchester, ja selbst zwischen Komponist:in und Publikum. Mit der Größe wächst allerdings der Vermittlungsaufwand: Partitur, Proben, Dirigat treten dazwischen. Das ist die musikalische Entsprechung dessen, was in Institutionen geschieht, wenn Abstimmung nicht mehr unmittelbar gelingt und Verfahren einspringen — beim Forschen ebenso wie beim Gestalten von Hochschulen und beim Beraten. Die genaueste Bestimmung von Zusammenarbeit ist das nicht, aber eine ungemein anregende: An die Stelle der Konkurrenz tritt die Kooperation im Sinne eines exzellenten Ganzen. Selten genug; wenn es gelingt, weiß hinterher niemand mehr, wessen Gedanke es war. Wer miteinander musiziert, teilt keine Begriffe, sondern einen Zeitfluss — und wird darin zum Wir. Schütz nennt das ein wechselseitiges Sich-Einstimmen und hält diese Schicht für die Grundlage jeder Verständigung, auch der sprachlichen. Sie gilt für das Duo wie fürs Orchester, ja selbst zwischen Komponist:in und Publikum. Mit der Größe wächst allerdings der Vermittlungsaufwand: Partitur, Proben, Dirigat treten dazwischen. Das ist die musikalische Entsprechung dessen, was in Institutionen geschieht, wenn Abstimmung nicht mehr unmittelbar gelingt und Verfahren einspringen — beim Forschen ebenso wie beim Gestalten von Hochschulen und beim Beraten. Die genaueste Bestimmung von Zusammenarbeit ist das nicht, aber eine ungemein anregende: An die Stelle der Konkurrenz tritt die Kooperation im Sinne eines exzellenten Ganzen. Selten genug; wenn es gelingt, weiß hinterher niemand mehr, wessen Gedanke es war.

Alfred Schütz: Making Music Together. A Study in Social Relationship. Social Research 18 (1951), S. 76–97. Deutsch in: Schriften zur Musik. Konstanz: UVK 2016.
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Simon Rattle, in einer Dokumentation
Er erzählt, ein Lehrer habe ihm einmal ein Versprechen abverlangt: niemals anzukommen. Dabei lächelt er in die Kamera, und man lächelt mit. Für alles, was nach der Berufsphase kommt, ist das der richtige Satz. Mein Satz.
„Simon Rattle — Vom Glück des Dirigierens“, Hessischer Rundfunk, 13. September 2026.
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Foucault
Das Wichtigste, was ich mitgenommen habe, ist keine Theorie, sondern eine Haltung zur Wissenschaft, zu ihrem System und ihrem Betrieb: Staunen und Lachen. Das Lachen, mit dem Die Ordnung der Dinge anhebt, beim Blick in eine unmögliche Enzyklopädie bei Borges: Mit einem Schlag wird fremd, was eben noch selbstverständlich war. Und dazu die Überzeugung, dass Kritik keine Position ist, die man bezieht, sondern eine Erfahrung, die man durchmacht — expérience et critique. Man geht anders aus ihr hervor, als man in sie hineingegangen ist. Das gilt für Bücher wie für Gremien — und für Begegnungen am Rande eines Workshops.
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Psychoanalyse
Sie steht am Anfang: Die Dissertation handelte davon, wie therapeutisches Wissen die Selbstverhältnisse formt. Was mich heute daran interessiert, ist aber nicht die Couch. Lernfähige Algorithmen ordnen inzwischen Informationsbestände, ohne Begriffe oder Theorien zu benötigen — ein wirkmächtiges Netz, das dem Bewusstsein nicht mehr zugänglich ist. Ein technisches Unbewusstes, zu dem wir uns verhalten wie Freuds armes Ich zum Pferd. Taugt die Psychoanalyse hier als Gegenwissenschaft? Sie ist selbst Teil dieser Gesellschaft, also weder erhaben über das Unbewusstwerden noch davor gefeit, verstrickt zu werden. Genau deshalb ist sie ein guter Fall.
Digitale Technologien, ihr Unbewusstes, ihre Gesellschaft: Psychoanalyse als Gegenwissenschaft? In: Frick/Hamburger/Maasen (Hg.): Psychoanalyse in technischer Gesellschaft. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019, S. 191–202.
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Vom Sinn der Müdigkeiten
Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out gelten als Symptome einer Leistungsgesellschaft: permanente Selbstoptimierung, entgrenzte Arbeit, der Druck, immerzu produktiv zu sein. Das ist die vertraute Diagnose — sie beschreibt den Befund, erklärt aber noch nicht, warum wir dafür nur ein einziges Wort haben. Deshalb der Plural. Es gibt die satte Müdigkeit nach getaner Arbeit und die lähmende, die durch keinen Schlaf vergeht; dazwischen liegt eine Kulturgeschichte, von der Literatur und Kunst mehr wissen als die Soziologie. Und dann die Frage, die mich am meisten beschäftigt: Wovon genau ist der Wissenschaftsbetrieb müde — und wovor schützt ihn womöglich seine Müdigkeit?
Dazu: „Vom gesellschaftlichen Sinn der Müdigkeit(en)“, in: Figurationen 14 (2013), H. 1, S. 35–54.
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Transzendenz der Technologie
Eine Umkehrung, die mich nicht loslässt: Während der Glaube immanent wird — Sinnsuche, Selbstsorge, Gemeinschaft im Diesseits —, laden sich Technologien mit Transzendenzverweisen auf. Erlösungsversprechen, Unsterblichkeitsphantasien, Vertrauen in Systeme, die niemand mehr durchschaut. Religion lässt sich dabei als Kulturtechnologie lesen: als das Verfahren, mitten in der Immanenz über Unverfügbares zu verhandeln. Genau das leisten inzwischen auch die Technikdebatten — nur müssen sie ihren eigenen Transzendenzbezug verkennen, um zu funktionieren. Wer Folgen abschätzt, sucht Lösungen; ginge es offen ums Ganze, wäre das Verfahren gesprengt.Was das für eine Wissenschaft bedeutet, deren Autorität einmal auf Entzauberung beruhte, beschäftigt mich weiter.
Dazu: Immanente Religion — Transzendente Technologie. Technologiediskurse und gesellschaftliche Grenzüberschreitungen, hg. mit David Atwood. Opladen: Verlag Barbara Budrich 2022.
Noch nicht begegnet
Was hierher kommt, weiß ich nicht
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